Am Donnerstag, den 30.11.2023 durften wir Murat Ates im IZ Salon begrüßen, der sich in seiner Forschung und Lehre der interkulturellen Philosophie widmet.
Die Diskussion konzentrierte sich auf die Frage nach einem potenziell universellen Raum des Austauschs und der Begegnung, der frei von Abgrenzung und Hierarchien ist. Ates betonte dabei die bis heute anhaltenden Auswirkungen des Kolonialismus in unserer Gesellschaft, insbesondere in Bezug auf die bis heute nachwirkenden kolonialen Mechanismen, Hierarchien und Machtverhältnisse.
„Die Diskussion ist vielschichtig und muss vielschichtig geführt werden.“
Dies führte uns zur Frage nach der kulturellen Aneignung. Schließlich ist das eine Praktik, bei der Elemente einer Kultur übernommen werden, ohne das zugehörige Wissen wertzuschätzen. Besonders spannend war jedoch, dass kulturelle Aneignung auch eine Form der Solidaritätsbekundung und Wertschätzung sein kann, in dem man beispielweise Symbole verwendet, die zur Ermächtigung von Menschen beitragen.
„In Kulturen sind schon immer Herrschaftsverhältnisse miteingeschrieben.“
Die Diskussion verdeutlichte, dass unsere Wahrnehmung und unser Handeln stets aus einer kulturellen Perspektive heraus erfolgt. Auch beleuchtete sie die Auswirkungen weißer Dominanz auf Vorstellungen von Schönheit und Macht, wobei es das Phänomen gibt, dass nicht-weiße Menschen sich an dem Typus von Schönheit von weißen anpassen. Darin zeigt sich erneut, dass koloniale Strukturen weltweit wirken und weiße Personen nicht anwesend sein müssen, um Macht auszuüben.
Schlussendlich wurde der Bogen zurück zur interkulturellen Philosophie gespannt. Das Konzept des interkulturellen, so betont Ates, ist als ein „Dazwischen sein“, eine Leerstelle der Macht zu identifizieren, die Begegnungen und Machtverhältnisse als konstitutives und dekonstruktives Element ermöglicht. Um in Bewegung zu bleiben sind wir immer wieder auf dieses Dazwischen angewiesen. Deshalb findet Murat Ates Interkulturalität auch radikaler als Transkulturalität, da Transkulturalität von einem Gegeben ausgeht, da es sich transformieren möchte in ein Neues überführen will.
Wir sind sehr erfreut über die positive Resonanz und den erkenntnisreichen Gesprächsabend. Vielen Dank an alle Teilnehmenden und insbesondere Murat Ates für die interessanten und philosophischen Gedankenanstöße.

Gefördert durch die Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung



