Am 16. Juni 2025 fand im Impact Hub Vienna der zweite Workshop im Rahmen des INTERREG-Projekts borderfuture statt. Unter dem Titel „Desinformation gestern und heute“ widmete sich die Veranstaltung der Frage, wie irreführende Informationen seit jeher als Instrument verwendet wurden – und was sich daraus für den Umgang mit Desinformation heute lernen lässt.
Als Experte war Dr. Martin Tschiggerl von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zu Gast, der anhand historischer Beispiele aufzeigte, dass bereis früher Narrative bewusst konstruiert worden sind, um Macht zu sichern oder politische Gegner zu schwächen.
Im Zentrum des Workshops standen Begriffe wie Desinformation, Misinformation und Fake News, deren Unterschiede und Funktionen im historischen wie aktuellen Kontext diskutiert wurden. Anhand von Beispielen aus Politik, Wirtschaft und Medien wurde analysiert, wie Falschinformationen gezielt eingesetzt werden – etwa zur Diskreditierung wissenschaftlicher Erkenntnisse oder zur Destabilisierung demokratischer Prozesse.
Die Teilnehmenden diskutierten in Kleingruppen die Fragen: Wie wirken sich digitale Technologien auf die Verbreitung von Desinformation aus? Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz – als Werkzeug zur Aufklärung, aber auch als potenzielle Quelle manipulierter Inhalte? Und wie kann Bildung gezielt zur Stärkung demokratischer Kompetenzen beitragen? Dabei wurde auf folgende Punkte eingegangen:
- Historische Kontinuitäten und Veränderungen: Zwar haben sich die Mittel der Verbreitung verändert, doch strukturelle Merkmale von Desinformation – wie Feindbildkonstruktionen oder Schuldzuschreibungen – bleiben konstant.
- Künstliche Intelligenz: KI wurde als ambivalentes Instrument betrachtet – hilfreich bei der Erkennung von Desinformation, zugleich jedoch anfällig für Verzerrungen durch fehlerhafte Daten.
- Kulturelle Unterschiede im Umgang mit Wissenschaft: Vertrauen in Forschung variiert stark je nach gesellschaftlichem Kontext – sichtbar etwa in Debatten über alternative Heilmethoden oder Technologiekritik in verschiedenen europäischen Ländern.
- Demokratie und Öffentlichkeit: Eine informierte Öffentlichkeit ist Grundvoraussetzung für funktionierende Demokratien. Wird Vertrauen in Medien und Institutionen systematisch untergraben, kann dies demokratische Prozesse schwächen. Historisches Wissen hilft, diese Dynamiken besser einzuordnen.
- Bildung und Prävention: Um die Wirkungsmacht von Desinformation einzuschränken, braucht es frühzeitige Vermittlung von Medienkompetenz – durch alltagsnahe Beispiele und die Förderung von kritischem Denken.
Deutlich wurde: Viele Muster der Desinformation – etwa Schuldzuweisungen oder Feindbildkonstruktionen – sind über die Jahrhunderte erstaunlich konstant geblieben. Neu sind jedoch die Geschwindigkeit und Reichweite, mit der Inhalte heute über soziale Medien verbreitet werden können. Umso wichtiger ist es, schon früh ein kritisches Bewusstsein im Umgang mit Information zu entwickeln – durch Medienbildung, historische Einordnung und emotional zugängliche Bildungsformate.
Über das Projekt borderfuture
Das INTERREG-Projekt borderfuture bringt Bürger:innen, Verwaltungen und zivilgesellschaftliche Organisationen aus Wien, Ostösterreich und Westungarn zusammen, um gemeinsam an einer zukunftsfähigen Grenzregion zu arbeiten. Ziel ist es, durch partizipative und interaktive Formate den interkulturellen Austausch zu fördern, das Demokratiebewusstsein zu stärken und den sozialen Zusammenhalt in der Region zu unterstützen.
Kofinanzierungspartner: Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung, Zukunftsfonds der Republik Österreich, Bundeskanzleramt

